Die Augsburg Prognose

Akte Augsburg FCA

Die Puppen tanzen weiter durch die Bundesliga. Dossier, Match Intelligence und Prediction Markets — alles zum FC Augsburg.

↗ aktebundesliga.net Die ganze Bundesliga
FC Augsburg
Foto: Imago Images
Teil 1
Die Akte
Triumphe, Tragödien, Erfolge und Peinlichkeiten — das komplette Club-Dossier in 12 Kapiteln.
PrologSteckbriefGood to KnowHaterLoverMIPsPNGTragischOMGFun FactsSpecialWeise Worte
Bald
Teil 2
Intelligence
KI-gestützte Match-Analyse, Teamdaten, Verletzungen und Head-to-Head-Statistiken.
KaderNächstes SpielStatistikenForm
Bald
Teil 3
Predictions
Prediction Markets, Portfolio-Management und Risiko-Analyse mit Kelly Criterion.
Directional AlphaArbitragePortfolioRisk Tools

Prolog

Was diese Seite ist — und warum

„AKTE AUGSBURG" richtet sich an Lover und Hater des FCA. Geschichte wird Legende, Legende wird Mythos. Und aus Mythos wird Kult. Oder Grund zum „ewigen" Fremdschämen — je nach Ereignis mal so oder eher so.

„Die Puppen tanzen weiter durch die Bundesliga." Der FC Augsburg ist der Verein, den niemand auf der Rechnung hatte — und der seit 2011 einfach nicht absteigt. Keine großen Stars, kein großes Geld, aber schwäbische Hartnäckigkeit und ein Trainer-Karussell, das seinesgleichen sucht. Die Fuggerstadt hat ihren Bundesligisten, und der kämpft jede Saison aufs Neue ums Überleben — mit Erfolg.

Aber diese Seite geht über das reine Feiern oder Hassen hinaus. Akte Augsburg ist in drei Teilen aufgebaut: Das Club-Dossier erzählt die Geschichte — Triumphe, Tragödien, Skandale, Helden und Versager in 12 Kapiteln. Die Match Intelligence liefert die laufenden Daten, die ein Profi braucht: Kader, Statistiken, Head-to-Head, Verletzungen, Form. Und die Predictions bringen alles zusammen — mit Prediction Markets.

Prediction Markets sind kein Wetten. Bei klassischen Sportwetten verliert die Masse — das Geld geht an den Buchmacher, der seine Marge eingebaut hat. Bei Wettbörsen ist es ähnlich: Provisionen auf Gewinne, Liquiditätsengpässe und Spread fressen die Rendite. Prediction Markets funktionieren fundamental anders. Es gibt keinen Buchmacher, der das Haus gewinnen lässt. Stattdessen fließt Geld von denen, die nicht wissen, zu denen, die es richtig machen — mit Risiko-Management, Portfolio-Diversifikation und diszipliniertem Kapital-Einsatz. Man kann 24/7 handeln, Positionen aufbauen und abbauen, und wartet auf die binäre Auflösung des Events. Wer es versteht, betreibt keine Spekulation, sondern systematisches Trading.

Akte Augsburg ist Teil von Akte Bundesliga — dem gleichen Konzept für alle 18 Bundesliga-Vereine. Jeder Verein bekommt sein eigenes Dossier, seine eigene Intelligence, seine eigenen Predictions. Das große Ganze findest du unter aktebundesliga.net.

Steckbrief

Daten, Fakten und Ereignisse

Steckbrief – Daten, Fakten und Ereignisse

Der FC Augsburg, offiziell: Fußball-Club Augsburg 1907, (kurz: FCA) ist ein Sportverein aus Augsburg. Er geht im Jahr 1969 aus der Fusion des BC Augsburg, der am 8. August 1907 unter dem Namen FC Allemania gegründet worden ist, mit der Lizenzspieler-Abteilung des TSV Schwaben Augsburg hervor. Seit 2011/12 spielt der FC Augsburg ohne Unterbrechung in der Bundesliga (Stand: Dezember 2019).

Die Vereinsfarben sind Rot, Grün und Weiß; auf dem Vereinslogo ist die Zirbelnuss abgebildet, welche dem Stadtwappen der Stadt Augsburg entnommen ist. Persönlichkeiten, die den FC Augsburg prägen, sind u. a. die Trainer Max Merkel, Thomas Tuchel und Armin Veh, die ehemaligen Nationalspieler Helmut Haller, Ernst Lehner und Bernd Schuster sowie die Weltmeister Raimund Aumann, Ulrich Biesinger und Karl-Heinz „Air“ Riedle.

Seine Heimspiele trägt der FCA in der WWK Arena aus, die 30.660 Zuschauern Platz bietet. Per 1. Juli 2019 hat der Verein ca. 16.000 Mitglieder. Insgesamt 75 Fanclubs des FC Augsburg sind - Stand August 2019 - beim Verein registriert.

FC Augsburg
Abb.1.1.1 FCA-Ikone Helmut Haller in Italien am Strand. Foto Imago Images / United Archives International Foto: Imago Images

Good to Know

Was wenige wissen

Die Fans des FC Augsburg gelten als nicht besonders aggressiv. Dennoch besteht eine ausgeprägte Fanfeindschaft mit den Fans von TSV 1860 München. Die Spiele zwischen dem FC Augsburg und dem TSV Schwaben Augsburg sind die wichtigsten Stadtderbys, finden allerdings nur unregelmäßig und auf Testspielbasis statt. Zu den Anhängern von anderen Vereinen aus Süddeutschland bestehen vereinzelt Rivalitäten. So beispielsweise zu den Fans des VfB Stuttgart (Schwabenderby) und zu den Fans vom FC Ingolstadt und der TSG Hoffenheim.

Die Animositäten der Augsburger Fans sind durchaus bekannt, weniger bekannt sind einige ausgewählte Fanfreundschaften. Die erste ausgeprägte Fanfreundschaft der FCA-Anhänger entsteht „der Legende nach“ zwischen den Augsburger Fans und den Fans der Spvgg. Oberfranken Bayreuth. Die Fanfreundschaft wird heute kaum noch gepflegt. Aktive Fanfreundschaften bestehen zwischen den Fans des FC Augsburg und den Fans von Kickers Würzburg, dem SSV Ulm und von Borussia Dortmund. Für eine positive Grundstimmung gegenüber den Fans der Auswärtsmannschaften wollen einige Augsburger Fans im Rahmen ihres Projekts „Augsburg Calling“ sorgen. Das Fanprojekt ermöglicht es Heim- wie Auswärtsfans, die Stadt und einander kennenzulernen, gemeinsam zu feiern und Gewaltpotenziale im Vorfeld eines Spiels zu minimieren.

Der FC Augsburg steht in der Fußball-Bundesliga für eine der größten Aufholjagden aller Zeiten im Abstiegskampf. Die Jagd erfolgt in der Saison 2012/13, als der Verein die Hinrunde mit 9 Punkten auf dem 17. Platz abschließt. In der Rückrunde erzielt das Team dann 24 Punkte und landet in der Rückrundentabelle auf Platz 7. Das ist nicht jedem Bundesligafan bekannt, aber natürlich den Augsburg-Aficionados. Was aber auch nur wenige Augsburg-Kenner wissen: Das Team von Trainer Weinzierl und Manager Reuter hat in der Saison 2012/13 ganz besondere Stärken und Schwächen. So gewinnt der FCA keine einzige 2. Halbzeit in der Saison – jedenfalls nicht bei Auswärtsspielen. 8-mal hält man auswärts ein Remis, 9-mal verliert man die 2. Halbzeit auf gegnerischem Platz und schießt dabei insgesamt nur vier Auswärtstore, kassiert aber 17. Dafür ist man in der gesamten Saison ein guter Gastgeber - zumindest kein Rambo. Denn zusammen mit Eintracht Frankfurt und dem FC Bayern ist der FCA das einzige Team, welches in der Saison 2012/13 zu Hause keine Rote Karte kassiert.

Der FC Augsburg hat im Laufe seiner Bundesliga-Zugehörigkeit aufgrund seiner begrenzten finanziellen Möglichkeiten immer wieder eigene „Stars“ entwickelt – und diese gewinnbringend verkauft. Der Ghanaer Abdul Rahman Baba ist mit einer Ablösesumme von 20 Millionen Euro, die der FC Chelsea 2015 an den FCA überweist, der bis zum Ende der Hinrunde 2019/20 teuerste Abgang in der Geschichte des FCA. Weitere Top-Transfers sind Martin Hinteregger, den es im Sommer 2019 für zwölf Mio. Euro zum Liga-Konkurrenten Eintracht Frankfurt zieht, und der Koreaner Jeong-ho Hong, den der chinesische Super-League-Klub JS Suning 2016 für sechs Millionen Euro holt. Auch das gehört zum Fußball-Allgemeinwissen. Was nur wenige wissen: Billig einkaufen und teuer verkaufen ist in Augsburg kein bayerisch-schwäbischer „Gendefekt“, sondern schiere Notwendigkeit. Denn regelmäßig ist der Verein der Klub in der Bundesliga mit dem niedrigsten Etat aller Vereine. So in der Aufholsaison 2012/13 aber auch zum Beispiel in der Spielzeit 2017/18. Hat Augsburg in der Saison 2016/17 noch vor Vereinen wie Darmstadt, Ingolstadt und Freiburg den viertkleinsten Etat, so reicht selbst ein deutlich erhöhter Etat in der Folgesaison nicht, um in dieser Statistik die rote Laterne abzugeben.

Und: Der FC Augsburg ist im Gegensatz zum bayerischen Rivalen 1860 München ein Beispiel für geglücktes Mäzenatentum und eine sinnvolle Investorenpartnerschaft. Nach Jahren der Bedeutungslosigkeit in den Niederungen des deutschen Fußballs beginnen erst durch den Einstieg einer Investorengruppe um den ehemaligen Textilunternehmer Walther Seinsch im Jahr 2000 die wirtschaftliche Sanierung und der sportliche Wiederaufstieg des Vereins. Seinsch übernimmt das Präsidentenamt beim FCA und forciert die Ausgliederung des Profifußball-Spielbetrieb in eine GmbH & Co. KGaA mit professionellen Strukturen.

FC Augsburg
Abb.1.1.2 Walther Seinsch (Mitte) saniert den FC Augsburg und leitet den Aufstieg des Vereins ein. Foto: Imago Images/Krieger

Für die Hater

Peinliche Katastrophen und große Niederlagen

Der vergeigte Aufstieg: In der Saison 2004/05 steht der FC Augsburg kurz vor dem Aufstieg in die 2. Bundesliga. Nach 22 Jahren ohne Profifußball benötigt der Verein nur noch einen Sieg am letzten Spieltag zu Hause gegen Jahn Regensburg. Augsburg führt lange mit 1:0, doch die Gäste drehen in den Schlussminuten das Spiel und gewinnen mit 2:1. Das Spiel gilt bis heute bei vielen Anhänger als bitterste Niederlage des FCA in der neueren Fußball-Geschichte.

1:8 in Wolfsburg: Die größte sportliche Peinlichkeit während der Zugehörigkeit zur Bundesliga erlebt der FC Augsburg im letzten Pflichtspiel der Saison 2018/19. Mit 1:8 gerät das von Martin Schmidt trainierte Team am 34. Spieltag beim VfL Wolfsburg unter die Räder.

Die Saison 2019/20: Damit nicht genug. In der ersten Runde des DFB-Pokals der Saison 2019/20 gibt es das „Aus“ gegen den Regionalligisten SC Verl (1:2) und im darauffolgenden Bundesliga-Spiel bei Borussia Dortmund eine 1:5- Klatsche.

Höchste Niederlagen: Das 1:8 in Wolfsburg aus der Saison 2018/19 ist auch die bis heute höchste Bundesliga-Niederlage des FC Augsburg (Stand: Ende den Hinrunde 2019/20).

Weitere negative Highlights: 0:4 geht der FCA am 7. April 2019 gegen die TSG 1899 Hoffenheim vor heimischer Kulisse unter. Ebenfalls mit 0:4 verliert man zu Hause 2013 gegen Borussia Dortmund und 2014 gegen den großen Nachbarn FC Bayern München. Übrigens: Die höchste Heimniederlage in der 2. Bundesliga gibt es ausgerechnet gegen 1860 München. Mit 2:6 verliert man in der Saison 2007/08 am 1. Spieltag gegen die Münchener Löwen.

FC Augsburg
Abb.1.1.3 Wer zählt schon immer mit? André Hahn (links) und Marco Richter (rechts) beim 1:8 des FC Augsburg beim VfL Wolfsburg am 18. Mai 2019. Foto: Imago Images / regios 24

Die längste Niederlagenserie: Die längste Niederlagenserie gibt es gleich zwei Mal. 5 Mal in Folge verliert der FCA in der 2. Bundesliga vom 21. bis zum 25. Spieltag in der 2. Bundesliga in der Saison 1978/79. Genauso häufig verliert der FCA in der 2. Bundesliga in der Saison 2008/09 vom dritten bis zum siebten Spieltag.

Die meisten Spiele ohne Sieg hintereinander: 18 Spiele lang ohne Sieg ist der FCA vom 16. bis zum 33. Spieltag der Saison 1980/81 in der 2. Bundesliga.

0:6 gegen den FC Bayern: In München setzt es beim FC Bayern im Jahr 2017 auch die zweithöchste Pleite. 0:6 verlieren die Augsburger am 1. April. Robert Lewandowski trifft dreimal, Thomas Müller zweimal und Thiago schießt ein Tor.

Die schlechteste Platzierung legt der FC Augsburg noch zu Zweitliga-Zeiten hin: In der letzten Saison der zweigleisigen 2. Bundesliga (1980/81) findet sich der FCA am Saisonende – wie zuvor 1978/79 - auf Rang 18 wieder. Mit 88 Gegentoren bleibt man nur um einen Treffer hinter dem Negativrekord von 1979, als es 89-mal im Kasten der Fuggerstädter klingelt.

Für die Lover

Wichtige Triumphe und große Erfolge

Die Titelsammlung des FC Augsburg ist überschaubar: Große Erfolge gibt es wenige. Der Verein wird bis zum Ende des Jahres 2019 drei Mal Meister der 2. Liga (1947/48, 1960/61, 1973/74), sechs Mal Meister der 3. Liga (1965/66, 1972/73, 1979/80, 1981/82, 1993/94, 2005/06) und einmal Meister der 4. Liga (2001/02). Dennoch gibt es auch außergewöhnliche Triumphe in der Vereinshistorie.

Die Mutter aller Aufholjagden: Schon erwähnt - die Augsburger schaffen in ihrem zweiten Bundesliga-Jahr 2012/13 das scheinbar Unmögliche. Sie holen 24 Punkte in der Rückrunde und bleiben mit 33 Zählern drin! Es ist erst das zweite Mal seit der Einführung der Drei-Punkte-Regel zur Saison 1995/96, dass eine Mannschaft, die nach der Hinrunde nur neun Punkte auf dem Konto hat, die Klasse hält.

Der höchste Bundesliga-Sieg: Vorsicht, VfB Stuttgart! Die schwäbischen Schwaben brauchen künftig gar nicht mehr zu den bayerischen Schwaben reisen bzw. zu Hause gegen sie anzutreten. Zu Hause und auswärts landet der FC Augsburg gegen den VfB Stuttgart die höchsten Siege seiner Bundesliga-Zugehörigkeit. Am 21. November 2015 gibt es in Stuttgart ein 4:0, was VfB-Trainer Alexander Zorniger den Job kostet. Der VfB steigt am Saisonende ab. Am 20. April 2019 zerlegt der FCA den VfB in der WWK Arena mit 6:0, Rekord und Stuttgart steigt wieder ab. Den höchsten Sieg im bezahlten Fußball gibt es in der 2. Bundesliga Süd in der Saison 1977/78 mit 8:0 gegen den FK Pirmasens. Den höchsten Auswärtssieg in der 2. Bundesliga gibt es am 18. Spieltag der Saison 1976/77. Mit 6:2 gewinnt der FCA bei Eintracht Trier.

Die längste Siegesserie: Fünf Spiele in Folge gewinnt der FCA in der 2. Bundesliga in der Saison 2008/09 in Folge (vom 13 bis zum 17. Spieltag).

Die meisten Siege in einer Saison: 19 Spiele gewinnt der FCA in der Saison 2009/10 in der 2. Bundesliga.

FC Augsburg
Abb.1.1.4 Raul Bobadilla (m.) schießt den FCA 2015 zum historischen Auswärtssieg beim FC Bayern München. Foto: Imago / MIS

Die längste Serie an ungeschlagenen Spielen: 14 Spiele in Folge bleibt der FCA in der Saison 1976/77 in der Bundesliga Süd ohne Niederlage (vom 13. bis zum 26. Spieltag)

Europa-League: Der größte Erfolg der jüngeren Fußball-Geschichte gelingt dem FC Augsburg in der Saison 2014/15 mit dem Sprung auf Rang fünf in der Bundesliga-Abschlusstabelle und der Qualifikation für die Europa League. Am 32. Spieltag springt die Mannschaft nach einem sensationellen 1:0-Erfolg beim großen Nachbarn FC Bayern München auf den lukrativen fünften Rang. Diesen wird der Außenseiter nicht mehr abgeben. „So ein Lauf ist nicht zu erklären“, erinnert sich FCA-Kapitän Paul Verhaegh nach der Saison in einem Kicker-Rückblick, „wir hatten Vertrauen und kaum Verletzte und ein paarmal hatten wir auch Glück. Wir waren brutal heimstark und gewannen alle Spiele außer gegen Dortmund und Bayern.“

Nur Klopp kann sie stoppen: Europa-League-Premiere 2015/16 – Augsburg im Ausnahmezustand. „Wenn man nach einem Rückstand in Belgrad noch drei Tore schießt, dann ist das schon ein Wunder“, erklärt Mittelfeldspieler Daniel Baier in einem Kicker-Special zur Europa League 2015/16. Dem „Wunder von Belgrad“, dem 3:1-Auswärtserfolg bei Partizan, mit dem der FCA den serbischen Klub dank der besseren Tordifferenz (bei jeweils neun Punkten und ausgeglichenem Direktvergleich) noch am letzten Spieltag überholt, folgt das Duell in der Runde der letzten 32 gegen den FC Liverpool. „Dieses Los ist ein Geschenk für den Verein“, findet FCA-Coach Markus Weinzierl. Karten für die WWK Arena sind in diesen Tagen eine Art Zweitwährung in der Fuggerstadt. Die 10.000 Tickets für das Heimspiel gegen die „Reds“ sind in nur einer Stunde weg. Von ca. 6.000 Bewerbern kann der FCA nur 2.400 mit zum Rückspiel an die Anfield Road nehmen. Dort stoppt ein Elfmeter-Tor von James Milner (5. Minute) den viel beachteten Run des FC Augsburg in Europa.

Der Coup von Dortmund: Am 19. Spieltag der Saison 2014/15 versetzt der FC Augsburg Borussia Dortmund und seine Fans in eine kollektive Schockstarre. Der Außenseiter aus Schwaben lässt den BVB mit einem 1:0-Sieg durch ein Tor von Raul Bobadilla auf den letzten Tabellenplatz abstürzen. BVB-Keeper Roman Weidenfeller muss nach dem Spiel auf den Zaun, um die aufgebrachten Fans zu beruhigen. Der FCA steht zu diesem Zeitpunkt dort, wo alle Dortmund erwarten: Auf Rang vier!

Most Important Persons

Diese Typen prägen den Verein

Ernst Lehner

Ernst Lehner wird am 7. November 1912 in Augsburg geboren, er stirbt am 10. Januar 1986 in Aschaffenburg. Lehner ist eine deutsche Fußball-Ikone, der in den 1930-er Jahren für Schwaben Augsburg und während des Zweiten Weltkrieges für Blau-Weiß 90 Berlin aktiv ist. Lehner gilt als bester deutscher Re…

Bernd Schuster

Bernd Schuster wird 1980 Europameister mit der deutschen Nationalmannschaft und 1982 Sieger des Europapokals der Pokalsieger mit dem FC Barcelona. Schuster beginnt seine fußballerische Karriere 1971 in der Jugend beim Augsburger Stadtteilverein SV Hammerschmiede. Er wechselt 1976 zum FC Augsburg und…

Helmut Haller

Helmut Haller spielt als Halbstürmer oder Mittelfeldspieler von 1958 – 1970 in der deutschen Fußballnationalmannschaft und kommt in 33 Länderspielen zum Einsatz. Dabei erzielt er 13 Tore. Haller läuft in seiner Jugend beim damaligen BC Augsburg auf, in dessen Diensten er auch die ersten 19 seiner 33…

Stefan Reuter

Im Dezember 2012 kommt Stefan Reuter als Nachfolger von Jürgen Rollmann als Geschäftsführer Sport nach Augsburg und krempelt den damals vom Abstieg bedrohten Verein komplett um. Er hält an Trainer Weinzierl fest und holt mit André Hahn und dem vom AFC Sunderland ausgeliehenen Ji Dong-won zwei neue K…

Markus Weinzierl

Vier Jahre lang dirigiert der Oberbayer die Schwaben und feiert die - bis heute - größten Erfolge des FCA. Zur Spielzeit 2012/13 übernimmt Weinzierl das Amt des Cheftrainers und stellt nach einer durchwachsenen Hinrunde die defensive Spielweise der Augsburger um. Weinzierl fordert seine Spieler zu m…

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Abb.1.1.5 Helmut Haller am 15.07.1973 beim offiziellen Pressefoto für den FCA. Austrainiert ist anders. Foto: Imago Images/WEREK. Infografik by Ligalive, Infografik erstellt von Andjela Jankovic im Auftrag von Closelook Venture GmbH

Personae Non Gratae

Diese Typen sind unbeliebt

Martin Hinteregger

Da brennt der Baum! ,,Ich kann nichts Positives über ihn sagen”, fasst Verteidiger Martin Hinteregger sein Verhältnis zu Augsburg-Trainer Manuel Baum im Januar 2019 zusammen. Nach einer 0:2-Niederlage gegen Gladbach platzt dem Österreicher vor laufenden Kameras der Kragen und der Verteidiger schießt…

Jens Lehmann

71 Tage darf “Mad Jens” beim FCA verweilen, bis er von Stefan Reuter wieder zur Ausgangstür begleitet wird. Neu-Trainer Martin Schmidt hat in den Verhandlungen mit dem Vorstand argumentiert, dass in seinem Team kein so dominanter Assistent wie Jens Lehmann vorgesehen sei. Reuter erfüllt - zum Unmut …

Ralph Hasenhüttl

„Er hätte Rot sehen müssen. Schade, dass das der vierte Offizielle nichts gesehen hat. Entschuldigt hat er sich nicht“, sagt Ralph Hasenhüttl nach Daniel Baiers obszöner Geste in seine Richtung im Jahr 2017. Der Leipzig-Coach hat Augsburgs Kapitän während der Partie mit Rufen und Schiedsrichterkriti…

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Abb.1.1.7 Jens Lehmann, Stefan Reuter und Manuel Baum waren beim FC Augsburg kein „Trio Infernale“. Foto: Imago Images / Sven Simon

Tragisch

Diese Personen hatten Pech

Walter Seinsch:Anfang 2010 teilt Walther Seinsch der Öffentlichkeit mit, dass er an Depressionen leide und aus gesundheitlichen Gründen eine Auszeit nehme. Am 18. Juli 2011 gibt er bekannt, dass er trotz angeschlagener Gesundheit weiter Vorsitzender des FC Augsburg bleiben wolle. Am 3. Dezember 2014 tritt Walther Seinsch auf der Jahreshauptversammlung des FC Augsburg mit sofortiger Wirkung aus gesundheitlichen Gründen zurück.

Helmut Haller:Helmut Haller erkrankt irgendwann zwischen seinem 60. und 70. Lebensjahr an Demenz. Mit 72 Jahren ist die Krankheit weit fortgeschritten, so dass sich der größte Sohn der Stadt nach Jakob Fugger, Bertolt Brecht und Ernst Lehner nur noch selten an seine großen Fußballerfolge und Mitspieler erinnern kann. Haller wird zum Pflegefall und stirbt am 11. Oktober 2012. Da ist er gerade 73 Jahre alt. Zu seiner Beerdigung auf dem Augsburger Nordfriedhof finden sich über 1.000 Trauernde ein, unter ihnen auch zahlreiche Nationalspieler und Weggefährten aus Deutschland und Italien, die dem Augsburger die letzte Ehre erweisen wollen.

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Abb.1.1.8 Helmut Haller, FC Augsburg (rechts) und Franz Gerber, FC St. Pauli (links) – Fußballikonen der 60-er und 70-er Jahre ganz unterschiedlicher Art. Foto: Imago Images/WEREK

OMG — Oh My God

Das kann doch nicht wahr sein

Rumble in the Puppenkiste: Der FC Augsburg, die „Puppenkiste der Liga“, gilt als eine der letzten Harmonie-Oasen in der Bundesliga. Was aber, wenn plötzlich Unruhe in die heile Welt zwischen WWK Arena und „Urmel aus dem Eis“ kommt?

Die Trainer-Flops: Der nach Punkten pro Spiel schlechteste Trainer des FC Augsburg heißt Helmut Riedl. Er holt 1995 in der Regionalliga Süd nur 0,20 Punkte pro Spiel und verliert mit den Augsburgern vier von fünf Spielen, bei nur einem Remis. Weitere Promis als Flop-Trainer: Mit William „Jimmy“ Hartwig, Dieter „Schatz“ Schatzschneider und Klublegende Helmut Haller glaubt der FC Augsburg Ende der achtziger Jahre, große und Erfolg versprechende Namen als Trainer verpflichtet zu haben. Doch weder Hartwig, den es wenig später zu Chemie Böhlen zieht, noch Schatzschneider oder Vize-Weltmeister Haller können sich länger als 220 Tage im Amt halten.

Haller klaut den WM-Ball: Ziemlich unbekannt ist ein Schmankerl um Helmut Haller und den WM-Ball des Endspiels England gegen Deutschland im Jahr 1966. Denn der Deutsche nimmt - je nach Perspektive - im Eifer des Gefechts oder schäbig und ganz bewusst nach dem WM-Finale in Wembley (2:4 n. V. für England) den Spielball mit nach Hause. Er wird ein Geschenk für seinen damals fünfjährigen Sohn Jürgen, der später mit Kalle Riedle bei Blau-Weiß 90 Berlin in der Bundesliga spielt. Danach ist Schweigen und niemand kümmert sich so recht um den Verbleib des Balls. Bis die Engländer 1996 die Europameisterschaft austragen und selbigen wiederhaben wollen – 30 Jahre nach dem Wembley-Tor. Im Vorfeld der EURO 1996 entfacht das britische Massenblatt ,,The Sun” eine aufgeladene Scheindebatte um das Spielgerät und fordert Haller auf, die Kugel an seinen „rechtmäßigen Besitzer“, den WM-Final-Hattrick-Schützen Geoff Hurst „zurückzugeben“.

Hurst lässt öffentlich verlautbaren, dass er dem Ball „einen Ehrenplatz in seinem Haus“ geben würde. Wenig später übernimmt der ,,Daily Mirror” die Führung in der medialen Posse und organisiert eine erfolgreiche „Rückholaktion“- ganz nach dem Motto der Europameisterschaft „Football is coming home“. Der Ball nimmt auf dem Flug nach London einen eigenen Platz im Flugzeug neben Helmut Haller ein. Nach der Ankunft veranstaltet die Zeitung eine Übergabe an Geoff Hurst und veröffentlicht am 27. April 1996 ein Bild eines ballküssenden Geoff Hurst nebst pathosbeladenem Begleittext. Oh My God!

„Mein Feind, der Baum“: Wir haben die Animositäten zwischen Martin Hinteregger und Manuel Baum schon erwähnt, doch weitere Details gehören in diese Fremdschäm-Sektion. Denn den Hit von Alexandra in leicht abgewandelter Form lernt man beim FC Augsburg im Januar 2019 kennen. Unfreiwillig, versteht sich. Abwehrspieler Martin Hinteregger gibt ein umstrittenes Interview. Im Bayerischen Rundfunk übt er harsche Kritik an Trainer Manuel Baum. „Unsere Abwärtsspirale geht jetzt schon ein Jahr, das ganze Jahr 2018 ist die Kurve eigentlich schon nach unten gegangen. Da ist keine Entwicklung. Ich kann nichts Positives über ihn sagen und werde auch nichts Negatives sagen“, sagt der Abwehrspieler über den Coach. Wenig später verleiht ihn der FCA an Eintracht Frankfurt…

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Abb.1.1.9 Kein Freund von „Einhandsegeln“. Leipzigs Coach Ralph Hasenhüttl (l.) liefert sich im Jahr 2017 ein unvergessenes Wortgefecht mit den Augsburgern um Kapitän Daniel Baier. Foto: Imago Images/ Sven Simon

Fünf gegen Willy: Und auch das hier findet sich bereits in der Rubrik „Personae Non Gratae“. Daniel Baier „schrammelt“ sich einen auf RBL. Augsburg gegen RB Leipzig – wie in vielen anderen Stadien ist das RB-Gastspiel auch in Augsburg kein Spiel wie jedes andere in der Bundesliga. Beim Pokal-Viertelfinale 2019 (1:2 n. V.) werden nach Spielschluss in einem üblen Geschubse keine Nettigkeiten ausgetauscht. Und Daniel Baier, Kapitän des FCA, handelt sich im September 2017 beim 1:0-Sieg gegen die Leipziger Ärger ein. Er spuckt erst in Richtung der RBL-Reservebank und lässt sich dann zu einer obszönen Geste hinreißen, die gegen Leipzigs Coach Ralph Hasenhüttl geht. Machen Sie eine typische Handbewegung… Der Österreicher ist anschließend außer sich vor Wut und verweigert Daniel Baier den obligatorischen Handschlag nach Spielende. Der DFB findet das „Geschrammel“ gar nicht gut und sperrt Baier für eine Partie.

Fun Facts

Wissen für Blowhards, Braggadocios und Connaisseurs

51: Der FC Augsburg ist im 49. Jahr der Fußball-Bundesliga 2011/12 der 51. Klub, der in die deutsche Eliteklasse aufsteigt.

Das Haller-Denkmal: Er hat Deutschland im legendären WM-Finale 1966 gegen England in Wembley (2:4 n. V.) mit 1:0 in Führung gebracht – und ist 2012 viel zu früh verstorben. Vize-Weltmeister Helmut Haller gehört zu den Spielern, die den FC Augsburg geprägt haben. Eine lebensgroße Bronze-Skulptur erinnert heute vor der WWK-Arena an den Mittelfeldspieler. Sie ist eines der beliebtesten Fotomotive für Anhänger des FCA.

Kult-Stürmer Mölders: Zweimal hilft Stürmer Sascha Mölders dem FC Augsburg zum Klassenverbleib. Der Lohn? Fast 40 Jahre nach Helmut Haller wird Mölders erster Spieler des FCA, der mal wieder eine Einladung ins „Aktuelle Sport-Studio“ des ZDF erhält. Glückwunsch!

Drei Manager: Dass der FC Augsburg gern an seinen Trainern festhält, heißt noch lange nicht, dass das auch für die Manager gilt. In der legendären Saison 2012/13 mit der Rettung am letzten Spieltag wird zweimal auf dem Manager-Sessel getauscht. Auf Manfred Paula, der nur 99 Tage im Amt ist, folgt Ex-Bundesligaprofi Jürgen Rollmann. Der hat nach 76 Tagen genug und macht Platz für den Weltmeister Stefan Reuter.

Der FC Augsburg hat ein Faible für koreanische Fußballprofis: Mit Jeong-ho Hong, Dong-won Ji, Ja-cheol Koo und dem 2019 aus der eigenen U19 in den Profi-Kader berufenen Seong-hoon Cheon spielen bereits vier Spieler aus Korea seit dem Aufstieg für die erste Mannschaft des FCA.

FC Augsburg
Abb.1.1.10 Sascha Mölders (r.) bei Moderator Sven Voss im „Aktuellen Sport-Studio“ des ZDF im Jahr 2013. Ein Augsburger Spieler in der TV-Sendung, das hat es seit den Helmut-Haller-Zeiten selten gegeben! Foto: Imago Images / Martin Hoffmann

Der FC Augsburg kooperiert seit 2009 mit der Augsburger Puppenkiste: Im Rahmen der Partnerschaft tippt das Kasperle vor jedem Heimspiel das Ergebnis. Der Kapitän des FCA überreicht dem gegnerischen Kapitän auch keinen Wimpel, sondern eine jährlich wechselnde Marionette. In der Saison 2015/16 ist Kater Mikesch das Geschenk an die Gäste, in den Jahren zuvor werden „Urmel aus dem Eis“ sowie „Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer“ überreicht. Nach jedem Tor des FCA wird die Melodie „Eine Insel mit zwei Bergen“ aus dem Film „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ gespielt.

Ein Flop namens Bancé: Der 28-jährige Stürmer Aristide Bancé kommt 2011 als Hoffnungsträger vom FSV Mainz 05 zum FCA. Gemeinsam mit Giovanni Sio, Knowledge Musona und Gibril Sankoh bildet der Ivorer die „Afrika-Connection“ in der Brecht-Stadt. Man leistet sich so einige Disziplinlosigkeiten und im Winter 2012/13 sprengt Coach Weinzierl die Gruppe. Sio wechselt nach Sochaux, Sankoh zu Nenan Construction in China. Bancé und Musona werden aussortiert bzw. an Fortuna Düsseldorf verliehen.

Fast immer unten: In der Saison 2012/13 steht der Außenseiter aus Augsburg nur an zwei Spieltagen, nach dem dritten und nach dem 34. Spieltag, auf einem Nicht-Abstiegsplatz.

Top-Torjäger: Die Europa-League-Saison des FC Augsburg 2015/16 hat viele Highlights. Gemeinsam mit Aritz Aduriz vom Gruppengegner Athletic Bilbao wird FCA-Stürmer Raul Bobadilla mit sechs Treffern bester Torschütze der Gruppenphase.

Special Moments

Manninger holt Augsburg aus der Puppenkiste

Es sind Szenen wie bei einer Meisterfeier. Jubel-Trauben auf dem Spielfeld, wildfremde Menschen, die sich auf den Tribünen umarmen, attraktive Hostessen, die die Humpen mit dem Bier eines ortsansässigen Brauers auf den Rasen tragen und die obligate Bierdusche für Trainer und Verantwortliche. Wer hat’s erfunden? Die Bayern!

Die Großkopferten aus München haben die „Weißbier-Dusche“ ab 1999 zu einem Ritual gemacht, das sich bis in die Niederungen des Amateurfußballs etabliert hat. Die Frage, wer in der Allianz Arena eine Woche zuvor gegen den FC Augsburg (3:0) als erster den Gerstensaft in den Kragen gegossen bekommt, ist in der Bundesliga-Saison 2012/13 wesentlich spannender als die Frage nach dem Deutschen Meister. Der heißt ziemlich zeitig mal wieder FC Bayern München.

Doch die Mannschaft aus der Fuggerstadt ist gekommen, um zu bleiben. Augsburg spielt im zweiten Jahr in der Bundesliga und schafft in der Rückserie Historisches. Nur Eintracht Frankfurt ist es 1999/00 ebenfalls gelungen, nach einer Hinrunde und nur neun Zählern in der Liga zu bleiben.

Warum? Weil man sich im beschaulichen Augsburg zumindest am Anfang den so oft zitierten „Mechanismen des Geschäfts“, wonach im Misserfolgsfall relativ zeitnah der Trainer entlassen wird, nicht beugen will. Der Verein hält an Trainer Markus Weinzierl fest und dieses Vertrauen soll sich auszahlen. Zwei weitere Personalien werden mitentscheidend sein. Die Verpflichtung von Weltmeister Stefan Reuter als neuem Sportdirektor – und der Transfer des österreichischen Keepers Alexander Manninger.

Der Wandervogel aus Salzburg hat im Fußball schon so ziemlich alles gesehen. Der FC Augsburg ist seit 1994 seine 13. Station als Profi. In England ist er mit dem FC Arsenal und dem großen Arsene Wenger 1998 Meister geworden. In vier Jahren bei Juventus Turin hat er sich zwar gegen den Weltmeister und Volkshelden Gianluigi Buffon nicht durchsetzen können. Doch nachdem sich „Gigi“ eine hartnäckige Adduktoren-Verletzung zugezogen hat und 15 Spiele pausieren muss, erlebt Manninger seine stärkste Phase bei den Norditalienern. Die Verpflichtung von Marco Storari als zweiten Torhüter treibt ihn ab Sommer 2010 erst auf die Tribüne und dann nach Vertragsende 2012 in die Vereinslosigkeit.

In dieser Situation wollen ihn die Augsburger. Sie brauchen dringend einen erfahrenen Keeper als Ersatzmann für den verletzten Stammtorhüter Simon Jentzsch. Bei Manningers Bundesliga-Debüt am 20. Januar 2013, dem richtungweisenden 3:2 beim Abstiegskonkurrenten Fortuna Düsseldorf, beginnen sich die Dinge zu drehen. Mit Manninger zwischen den Pfosten verliert Augsburg nur eines der nächsten vier Spiele. Als ein Muskelfaserriss den Österreicher für fünf Spiele zum Zuschauen verdammt und er beim 2:4 bei Borussia Dortmund kein Rückhalt ist, sieht es nicht gut aus.

Immerhin: Zu diesem Zeitpunkt halten sich die Augsburger hartnäckig auf dem Relegationsplatz 16, der ihnen gegen den Dritten aus der 2. Bundesliga noch eine Chance lässt. Während der gesamten Saison und bis zum alles entscheidenden 34. Spieltag steht die Mannschaft von Markus Weinzierl nur ein einziges Mal besser als Platz 16.

Die Tabellenkonstellation lässt es vor dem letzten Spiel gegen die bereits als Absteiger feststehende Spvgg. Greuther Fürth zu, dass Augsburg sich bei 30 Punkten im Schlussakt auf Rang 15 hieven kann. Ein eigener Sieg gegen das „Kleeblatt“ wäre hilfreich, um die punktgleichen Düsseldorfer, die in Hannover gastieren, hinter sich zu lassen. Im günstigsten Fall, bei einer Fortuna-Pleite, würde ein Punkt reichen. Der Tabellensiebzehnte 1899 Hoffenheim, der in Dortmund spielt, hat die schlechtere Tordifferenz.

FC Augsburg
Abb.1.1.11 Die „wohlige“ Einsamkeit des Siegers: Alexander Manninger verharrt nach dem Klassenverbleib des FC Augsburg am 18. Mai 2013 in sich gekehrt. Foto: Imago Images / ActionPress

Vor dem Spiel hat Manninger eine SMS von Gianluigi Buffon erhalten. Gigi, ganz Sportsmann, scheint den Österreicher an diesem so schicksalhaften Tag nicht vergessen zu haben. Die Textnachricht auf Manningers Mobiltelefon enthält nur zwei Worte: „Forza Augsburg!“

Beflügeln kann die Aufforderung Augsburg anfangs nicht. Die Gastgeber beginnen bei sommerlichen Temperaturen nervös. Ragnar Klavan bringt Felix Klaus zu Fall, Elfmeter für Fürth! Manningers Elfer-Bilanz ist mit bislang sieben abgewehrten Elfmetern nicht gerade überragend. Umgekehrt kann er 37 Bälle vom ominösen Punkt nicht halten. Lediglich die Liste der Spieler, die an ihm scheitern, ist beachtlich. Unter anderem die ukrainische Fußball-Legende Andrij Schewtschenko, Italiens Weltmeister Marco Materazzi und der slowakische Fußball-Punk Marek Hamsik verschießen in der Serie A einen Elfer gegen Manninger.

Nun hat sich Edgar Prib die Kugel bereitgelegt. Der Fürther läuft nach fünf Minuten zum Foulelfmeter an und trifft. Denken alle. Schiedsrichter Tobias Welz aus Wiesbaden, ein wachsamer Polizeibeamter, hat gesehen, dass der Koreaner Park Jung-bin vor der Ausführung in den Strafraum gelaufen ist. Der Elfmeter wird wiederholt. Manninger atmet tief durch. Anders als beim ersten Versuch, als er zwar in der richtigen, von ihm aus gesehen linken Ecke ist, aber den platziert und wuchtig getretenen Ball nicht erreichen kann, taucht er jetzt nach rechts – und wehrt ab!

Der Jubel wird in der 30. Minute zum Orkan. Ein direkt verwandelter Freistoß von Tobias Werner geht ins Fürther Tor, jetzt spielen sie in der Puppenkiste „Anything goes“. Weiter geht die wilde Fahrt. Düsseldorf liegt ab der 36. Minute mit 0:1 bei H96 zurück. Der Augsburger Husarenstreich vom Klassenverbleib wäre also jetzt schon perfekt. Das wissen die FCA-Fans aber nur, weil sie sich die Infos via Smartphone holen. Weinzierl und Reuter haben keine Zwischenergebnisse aus den anderen Stadien einblenden lassen.

Weise Worte

Zitate für die Ewigkeit

Soccer Memes und prägende Worte

„Stefan Reuter kam vor dem Spiel zu mir und meinte: Heut' ist vielleicht was drin! Ich wollte ihm die gute Laune nicht verderben..." TV-Kommentator Fritz von Thurn und Taxis

nach Augsburgs 0:6 in München am 1. April 2017):

„Am Schluss würdest du am liebsten in den Kübel kotzen."

Michael Gregoritsch vom FC Augsburg nach dem 3:4 in der sechsten Minute der Nachspielzeit in Dortmund

„In der ersten Halbzeit wurden wir schon ein bisschen aufgefressen.“

Schalkes Trainer Tedesco nach dem Spiel gegen Augsburg

„Helmut war einer der wenigen Spieler, die ich in meiner Karriere nie richtig in den Griff bekommen habe."

Giovanni Trapattoni, zu Hallers Glanzzeiten beim AC Mailand und einer der besten Verteidiger damals

„Er (Helmut Haller) machte die Italiener zu Deutschland-Fans, zwei Jahrzehnte nach der Besetzung durch die Nazis."

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Über dieses Projekt

„AKTE AUGSBURG" ist ein Dossier über FC Augsburg. Ziemlich ungerecht, bewusst einseitig — aber mit viel Liebe zum Detail und dem nötigen Respekt.

Teil der Akte Bundesliga-Serie — 18 Club-Dossiers über die Bundesliga-Vereine.

Autoren: Sophie Hargesheimer, Thomas Look & Carsten Germann
Redaktion: Bilder: Imago Images
Produktion: Marcus Brauer, Denis Tuksar